Eine Rasse mit isländischer Geschichte
Die Vorfahren der Islandpferde kamen während der Besiedlung Islands zwischen 874 und 930 auf die Insel. Über viele Generationen entwickelten sie sich dort ohne Einkreuzung anderer Rassen weiter. Reitpferde mussten Menschen über längere Strecken tragen; diese Nutzung prägte die Bedeutung von Gang und Ausdauer.
Heute begegnen Islandpferde im Freizeitreiten und im Sport. Das gemeinsame Zuchtziel beschreibt ein vielseitiges Reitpferd. Es ersetzt die Beurteilung des einzelnen Tieres nicht: Ein ausgebildetes Geländepferd und ein temperamentvolles junges Sportpferd können im Umgang sehr unterschiedliche Unterstützung brauchen. Auch innerhalb einer vertraut wirkenden Rasse lohnt es sich, nach bisherigen Erfahrungen und tatsächlichen Aufgaben zu fragen.
Quellen zu diesem Abschnitt
Was Tölt und Pass beim Reiten bedeuten
Neben Schritt, Trab und Galopp können Islandpferde Tölt und zum Teil Pass zeigen. Beim Tölt setzen die vier Hufe nacheinander auf: Es entsteht ein gleichmäßiger Viertakt, bei dem immer mindestens ein Huf den Boden berührt. Anders als beim Trab gibt es keinen Moment, in dem alle vier Hufe in der Luft sind. Dadurch sitzt der Reiter oft besonders ruhig. Wie angenehm und taktklar sich ein bestimmtes Pferd tölten lässt, hängt aber auch von seiner Balance, seiner Ausbildung und den Hilfen des Reiters ab.
Beim schnellen Pass bewegen sich die Beine einer Körperseite annähernd gemeinsam. Diese Gangart verlangt besondere Voraussetzungen und fachkundige Ausbildung. Für den Kauf sollte geklärt werden, welche Gangarten das Pferd unter einem passenden Reiter zuverlässig zeigt. Unterricht bei einer Fachperson für Gangpferde hilft, Hilfen und Bewegungsqualität zu verstehen. Die Frage nach angenehmem Reiten lässt sich so am konkreten Pferd beantworten.
Weiterlesen: Pferde belohnungsbasiert trainieren: verständliche Schritte im Alltag
Quellen zu diesem Abschnitt
- The Icelandic horseFEIF
- The five gaitsHorses of Iceland / Farmers Association of Iceland
Eine Haltung, die Bewegung und Ruhe ermöglicht
Ein Islandpferd braucht verlässlichen Kontakt zu geeigneten Artgenossen. Bei einer Gruppenhaltung sollte es Futter, Wasser und Liegeplätze erreichen können, ohne ständig verdrängt zu werden. Mehrere Zugänge und ausreichend Ausweichraum helfen, Engstellen zu vermeiden. Ein Stallbesuch zur Fütterungszeit zeigt oft mehr als eine Besichtigung leerer Flächen.
Im dichten Winterfell kann ein Islandpferd bei der Arbeit stark schwitzen. Bei kaltem Wetter kann eine atmungsaktive Abschwitzdecke helfen, das feuchte Fell trocknen zu lassen, ohne dass das Pferd auskühlt. Darunter sollte regelmäßig geprüft werden, ob es noch nass ist oder bereits zu warm wird. Ob Scheren sinnvoll ist, hängt von Arbeitsumfang, Haltung und der anschließenden Betreuung ab. Im Sommer gehören Schatten und jederzeit erreichbares Wasser zur Stallplanung.
Weiterlesen: Den passenden Stall für dein Pferd finden
Quellen zu diesem Abschnitt
- Where to keep your horseBritish Horse Society
- Types of rugs and rugging a horseBritish Horse Society
Gewicht und Futter im Jahresverlauf beobachten
Weidegang verbindet Bewegung, Fressen und Sozialkontakt. Wie viel Energie dabei aufgenommen wird, passt jedoch nicht automatisch zum Arbeitsumfang eines Freizeitpferdes. Die Ration sollte anhand des einzelnen Pferdes geplant werden. Die lange Mähne und dichtes Fell können Fettpolster verdecken; regelmäßiges Abtasten ergänzt den Blick auf die Figur.
Hilfreich sind vergleichbare Fotos, Messungen und eine ehrliche Übersicht über Heu, Gras, Ergänzungsfutter und Leckerli. Bei einer nötigen Gewichtsabnahme sollte eine qualifizierte Fütterungsberatung mit der Tierarztpraxis zusammenarbeiten. Geeignetes Raufutter bleibt wichtig. Eine pauschal knappe Versorgung kann Verdauung und Verhalten beeinträchtigen und löst die Frage nach einer ausgewogenen Ration nicht.
Quellen zu diesem Abschnitt
- Feeding horsesBritish Horse Society
- Preventing colic in horsesBritish Horse Society
Sommerekzem früh erkennen
Islandpferde gehören zu den Rassen mit erhöhtem Risiko für Sommerekzem. Dabei reagiert das Pferd allergisch auf Bestandteile im Speichel stechender Insekten, besonders kleiner Gnitzen. Starker Juckreiz führt häufig zum Scheuern von Mähne und Schweif, manchmal bis die Haut wund ist. Vor dem Kauf lohnt es sich, nach Beschwerden in früheren Sommern zu fragen. Die Tierarztpraxis kann die Ursache klären und die Versorgung planen. Ein geeigneter Insektenschutz, eine gut sitzende Ekzemerdecke und geschützte Unterbringung während der Dämmerung können den Kontakt mit den Insekten verringern.
Quellen zu diesem Abschnitt
- Sweet itchBritish Horse Society
Ausbildung und Gesundheit vor dem Kauf prüfen
Beim Kennenlernen sollte das Pferd auch beim Aufhalftern, Hufegeben und Führen erlebt werden. Für geplante Ausritte sind Fragen nach Verkehr, Gruppenritten und dem Alleinbleiben aussagekräftig. Mehrere Termine mit einer erfahrenen Begleitperson können helfen, einen einzelnen guten Eindruck einzuordnen. Eine unabhängige Kaufuntersuchung betrachtet Gesundheit und geplante Nutzung.
Junge Islandpferde benötigen eine schrittweise Ausbildung mit genügend Zeit für ihre Entwicklung. Bei älteren Pferden können Zähne, Beweglichkeit und veränderte Bemuskelung die Versorgung beeinflussen. Ein bisher verwendeter Sattel sollte deshalb auch später erneut geprüft werden. Weder Jugend noch Alter bestimmen allein die Eignung: Entscheidend ist, welche Aufgaben das Pferd körperlich und mit seiner bisherigen Ausbildung bewältigen kann.
Weiterlesen: Fohlen und Jungpferde: Aufwachsen, Umgang und erste Ausbildung · Ältere Pferde: Fütterung, Bewegung und Alltag anpassen
Quellen zu diesem Abschnitt
- Guide to buying a horseBritish Horse Society
- Essential care for your horse’s hoovesBritish Horse Society
Häufige Fragen
Töltet jedes Islandpferd automatisch gut?
Veranlagung, Balance, Gesundheit und Ausbildung beeinflussen den Tölt. Manche Pferde brauchen gezielte Unterstützung, um ihn unter dem Reiter klar und entspannt zu zeigen. Ein erfahrenes Auge hilft, Bewegungsqualität und Ausbildungsbedarf einzuschätzen.
Ist ein Islandpferd wegen seiner Größe nur für Kinder geeignet?
Die Größe allein beantwortet die Frage nicht. Die Eignung hängt vom individuellen Körperbau, Trainingszustand, Reitergewicht und der Balance des Reiters ab. Das sollte für das konkrete Paar fachkundig beurteilt werden.
Ein genauerer Blick
Quellen und Bildnachweis
- The Icelandic horseFEIF
- Where to keep your horseBritish Horse Society
- Feeding horsesBritish Horse Society
- Essential care for your horse’s hoovesBritish Horse Society
- Preventing colic in horsesBritish Horse Society
- Types of rugs and rugging a horseBritish Horse Society
- Guide to buying a horseBritish Horse Society
- The five gaitsHorses of Iceland / Farmers Association of Iceland
- Sweet itchBritish Horse Society
Foto: IcelandicHorseInWinter.jpg · Andreas Tille · CC BY-SA 3.0. Verkleinert und in WebP umgewandelt; Motiv unverändert.
Foto: Búlandshöfði, Vesturland, Islandia, 2014-08-14, DD 085.JPG · Diego Delso · CC BY-SA 4.0. Verkleinert und in WebP umgewandelt; Motiv unverändert.
Foto: 043 Sævar frá Stangarholti.jpg · Dagur Brynjólfsson · CC BY-SA 2.0. Verkleinert und in WebP umgewandelt; Motiv unverändert.
Foto: Icelandic Horse Face.jpg · Carl Young · CC BY-SA 4.0. Verkleinert und in WebP umgewandelt; Motiv unverändert.






