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Pferde · RASSEPORTRÄT

Westfälisches Reitpferd: vielseitige Zucht und verständliche Ausbildung

Ein Westfale kann im Dressurviereck, auf einem Springplatz oder bei einem Ausritt zu sehen sein. Die Zucht beschreibt ein vielseitiges Reitpferd. Welche Aufgaben ein einzelnes Pferd kennt und wie es dabei reagiert, zeigt sich im Stall und unter dem Sattel.

Für einen künftigen Partner sollte die Suche deshalb mit dem eigenen Alltag beginnen. Wie häufig möchtest du reiten, wer begleitet die Ausbildung und welche Haltung ist möglich? Mit diesen Fragen lässt sich gezielter nach einem Pferd suchen als allein nach Größe, Farbe oder einer bekannten Abstammung.

Der Westfale Avenger steht neben einem Zaun.
Zuchtziel
Das Programm nennt Dressur, Springen und Vielseitigkeit als Einsatzbereiche.
Größe
Das Zuchtprogramm nennt 158 cm am Widerrist als Mindestgröße.
Kennenlernen
Gewünschte Aufgaben und täglicher Umgang sollten mit dem einzelnen Pferd ausprobiert werden.

Was hinter der Bezeichnung Westfale steht

Die offizielle Rassebezeichnung lautet Westfälisches Reitpferd. Das Westfälische Pferdestammbuch führt das Ursprungszuchtbuch, in dem Abstammung und Eintragungen festgehalten werden. Der Westfale gehört zu den Warmblutpferden. Damit ist ein Zuchttyp von Reitpferden gemeint, der sich beispielsweise von den schweren Kaltblutrassen unterscheidet.

Die Zucht lässt unter bestimmten Voraussetzungen Pferde aus anderen ausgewählten Populationen zu. Deshalb können in westfälischen Abstammungen verschiedene Reitpferderassen vorkommen. Bei einem angebotenen Pferd sollten die Unterlagen gemeinsam angesehen werden. Für die spätere Nutzung sind daneben seine bisherige Ausbildung und die Erfahrungen im Alltag wichtig.

Vielseitigkeit als Sport verbindet Dressur, Springen und Geländereiten. Diese Aufgaben erklären, weshalb das Zuchtziel Bewegungsqualität, Springvermögen und einen belastbaren Körper zusammen betrachtet. Ein Pferd, das bisher überwiegend auf einem Reitplatz gearbeitet wurde, sollte neue Geländeaufgaben trotzdem schrittweise kennenlernen.

Größe, Bewegung und passende Ausrüstung

Das Programm beschreibt ein großliniges, harmonisch gebautes Reitpferd mit gut bemuskeltem Rücken und kräftiger Hinterhand. Alle Fellfarben sind zugelassen. Gewünscht sind regelmäßige, ausbalancierte Bewegungen in Schritt, Trab und Galopp sowie gutes Springen.

Als Größenmerkmal nennt das Programm mindestens 158 cm am Widerrist. Der Widerrist liegt erhöht am Übergang von Hals und Rücken und dient als Messstelle. Beim einzelnen Pferd sollte die tatsächliche Größe ermittelt werden. Für die Entscheidung sind auch Körperproportionen und Bewegungen wichtig, etwa ob du bei der Besichtigung bequem und sicher aufsteigen kannst.

Ein Sattel sollte so angepasst sein, dass er den Rücken nicht unangenehm belastet und dem Reiter einen passenden Sitz ermöglicht. Durch Wachstum und Training kann sich die Körperform verändern. Deshalb sollte die Passform später erneut kontrolliert werden, besonders wenn das Pferd beim Satteln oder Reiten anders reagiert.

Verschiedene Aufgaben brauchen klare Grundlagen

Für das gemeinsame Reiten sollten einfache Übergänge, ruhiges Anhalten und verständliche Wendungen zuerst aufgebaut werden. Eine Lehrperson kann helfen, die Aufgaben an die Erfahrung von Pferd und Reiter anzupassen. Ein junger Westfale braucht Zeit zum Heranwachsen und für das Lernen einzelner Schritte.

Beim Reiten kann eine weite Wendung im Schritt ein überschaubares Übungsziel sein. Eine Lehrperson kann helfen, die Signale klar zu geben und die gelungene Reaktion passend zu belohnen. Erst wenn die Aufgabe vertraut ist, sollte sie schwieriger werden. Bei anhaltender Unruhe sollten auch Angst, Schmerzen oder eine zu hohe Belastung geprüft werden.

Bei der Suche nach einem Pferd sollte seine bisherige Arbeit vorgeführt werden. Wer später gern draußen reitet, sollte nach Erfahrung auf Wegen, mit Verkehr und mit wechselnden Begleitpferden fragen. Wer springen möchte, sollte Ausbildungsstand und körperliche Eignung gemeinsam mit fachkundiger Unterstützung beurteilen. Der gewünschte nächste Schritt sollte auf dem aufbauen, was das Pferd schon sicher kennt.

Bewegung auch an freien Tagen ermöglichen

Ein Westfale sollte täglich Gelegenheit bekommen, sich frei zu bewegen und mit verträglichen Pferden Kontakt zu haben. Ein Ruhetag vom Reiten kann trotzdem Zeit auf einer geeigneten Außenfläche einschließen. Die Haltung sollte ausreichend Raum, sichere Zäune und einen trockenen Platz zum Ruhen bieten.

In einer Gruppe sollten Heu und Wasser für alle Tiere erreichbar sein. Bei der Stallbesichtigung lohnt es sich, einen normalen Fütterungsablauf anzusehen. So lässt sich besprechen, ob genügend Futterplätze vorhanden sind und wie die Betreuung auf einzelne Bedürfnisse reagiert. Auch Winterwetter und schlammige Böden sollten in der Planung berücksichtigt werden.

Vor der Übernahme sollten tägliche Versorgung, Vertretung und laufende Kosten geklärt sein. Neben dem Stallplatz gehören Hufpflege, tierärztliche Vorsorge, Ausrüstung und gegebenenfalls Unterricht dazu. Im Kostenrechner können diese Ausgaben nebeneinander geplant werden.

Training und Futterbedarf gemeinsam beobachten

Heu und geeignetes Weidegras sollten die Grundlage der Fütterung bilden. Sie liefern Fasern und sorgen für regelmäßiges Kauen. Das Pferd sollte frisches Wasser erreichen können, und lange Pausen ohne geeignetes Futter sollten im Tagesablauf vermieden werden.

Zusätzliches energiereiches Futter sollte sich am tatsächlichen Bedarf orientieren. Nach einer Änderung des Trainingsumfangs lohnt sich ein erneuter Blick auf den Körperzustand. Hals, Rippen und Hinterhand sollten angesehen und vorsichtig abgetastet werden. Eine zunehmende Rundung oder ein sichtbarer Gewichtsverlust sollte fachkundig eingeordnet werden, statt die Ration nur nach Gefühl zu verändern.

Neue Futtermittel sollten allmählich eingeführt werden. Bei schlechterem Kauen, liegen gelassenem Futter oder veränderter Trinkmenge sollte der Grund geklärt werden. Eine Störung beim Fressen kann mit Zähnen oder Gesundheit zusammenhängen, aber auch mit fehlendem Zugang in der Gruppe.

Vorsorge und Zuchtbefunde unterscheiden

Das westfälische Programm erfasst für bestimmte Hengsteintragungen den WFFS-Gentest. WFFS bezeichnet eine tödliche erbliche Erkrankung des Bindegewebes bei Fohlen, die heute auch Fragile Foal Syndrome oder FFS heißt. Betroffene Fohlen erben die Genvariante von beiden Eltern und besitzen zwei Kopien. Ein Pferd mit nur einer Kopie erkrankt nicht daran, kann sie aber vererben.

Für die Zucht sollten die Ergebnisse beider Eltern betrachtet werden. Das Programm schließt einen Hengst nicht allein aufgrund eines Trägerbefunds von der Eintragung aus. Für den Kauf eines Reitpferds sollten frühere Befunde, aktuelle Bewegungen und die vorgesehene Nutzung in einer tierärztlichen Kaufuntersuchung besprochen werden.

Zur laufenden Versorgung gehören tägliche Hufkontrollen und regelmäßige fachkundige Hufpflege. Zahnkontrollen, Impfungen und Parasitenvorsorge sollten mit der Tierarztpraxis geplant werden. Reiter und Betreuungspersonen sollten Veränderungen beim Verhalten oder Bewegen beobachten und festhalten. Diese Notizen helfen, der Praxis den Verlauf zu beschreiben.

Häufige Fragen

Ist ein Westfale für Reitanfänger geeignet?

Das sollte am einzelnen Pferd mit einer erfahrenen Lehrperson beurteilt werden. Wichtig sind eine passende Ausbildung, Erfahrung mit unerfahrenen Reitern und ein Alltag, in dem du Unterstützung bekommst.

Muss ein Westfale für den Sport genutzt werden?

Nein. Ein körperlich geeigneter und entsprechend ausgebildeter Westfale kann auch als Freizeitpferd gehalten werden. Seine Bewegung, Gesellschaft und Versorgung sollten unabhängig vom sportlichen Ziel gut geplant sein.

Quellen und Bildnachweis

Bildnachweise

Foto: Avenger - Westphalian horse.jpg · Karlyne · CC BY-SA 2.5. Bildformat angepasst.

Foto: Jessica Kürten and Castle Forbes Libertina - Dublin CSIO5*.jpg · Culnacreann · CC BY-SA 3.0. Bildformat angepasst.

Foto: SDC2016 Saskia Maertens et Legend of Loxley.jpg · Eponimm · CC BY-SA 4.0. Bildformat angepasst.

Foto: Bettina Hoy Designer 10 Treasure Chests Houghton 2013.jpg · Henry Bucklow / Lazy Photography (Sffubs) · CC BY-SA 3.0. Bildformat angepasst.

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