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Pferde · RASSEPORTRÄT

Süddeutsches Kaltblut: ein kräftiges Fahrpferd im Alltag

Das Süddeutsche Kaltblut fällt durch seinen kräftigen Körper und seine kraftvollen Bewegungen auf. Seine Zucht ist eng mit Zugaufgaben verbunden, und auch heute spielt das Fahren eine wichtige Rolle. Als Freizeitpartner braucht es Platz, passende Ausrüstung und eine Ausbildung, bei der seine Stärke gut und ohne unnötigen Druck eingesetzt werden kann.

Ein Süddeutsches Kaltblut steht im Tiergarten Worms.
Typ
Fahren und Ziehen sind zentrale Einsatzgebiete dieser Kaltblutrasse.
Aufgaben
Ein gerittenes Freizeitpferd sollte für seine Aufgabe ausgebildet und körperlich geeignet sein.
Gesundheit
PSSM1 ist bei der Gesundheitsbeurteilung ein Thema, das mit der Tierarztpraxis besprochen werden sollte.

Aus Bayern und dem benachbarten Alpenraum

Das Zuchtprogramm nennt Bayern und Österreich als Herkunftsgebiete. Das Süddeutsche Kaltblut gehört zu den kräftigen Pferden, die für Zugarbeit entwickelt wurden. Mit Kaltblut ist dieser Pferdetyp gemeint. Die Bezeichnung sagt etwas über Körperbau und Zuchtgeschichte aus.

Heute nennt der Zuchtverband Fahren und Ziehen im leichten wie im schweren Zug als zentrale Aufgaben. Auch die Eignung zum Reiten wird angestrebt. Wer einen Freizeitpartner sucht, sollte deshalb gezielt nach dessen bisheriger Verwendung fragen. Ein Pferd mit Erfahrung vor dem Wagen hat andere Dinge gelernt als eines, das regelmäßig im Gelände geritten wurde.

Kräftiger Körperbau und raumgreifende Bewegungen

Das angestrebte Stockmaß liegt laut Zuchtprogramm ungefähr zwischen 160 und 167 Zentimetern. Stockmaß bezeichnet die Höhe am Widerrist, dem höchsten Punkt des Rückens hinter dem Hals. Dazu kommen ein kräftiger Rumpf, eine gut entwickelte Muskulatur und tragfähige Gliedmaßen. Die tatsächliche Größe und der Körperbau können beim einzelnen Pferd abweichen.

Häufig sind Füchse mit hellem Langhaar, also Pferde mit rötlichbraunem Fell und heller Mähne sowie hellem Schweif. Daneben gibt es braune, schwarze und getupfte Pferde sowie Schimmel. Für die Zucht sind besonders ein gleichmäßiger Schritt und ein schwungvoller Trab erwünscht. Die Bewegungen sollen raumgreifend sein, das heißt mit großzügigen Schritten viel Boden abdecken. Beim Kennenlernen lohnt außerdem ein Blick darauf, ob das Pferd auf den vorgesehenen Böden bequem und ohne erkennbare Beschwerden läuft.

Guter Umgang beginnt mit verständlichen Signalen

Ein ausgeglichenes, umgängliches Wesen gehört zum Zuchtziel. Beim Führen und Pflegen sollte das Pferd gelernt haben, auf klare Signale zu reagieren und seinen Körper ruhig neben dem Menschen zu bewegen. Gerade bei einem kräftigen Pferd sind diese Grundfertigkeiten wichtig. Seine Bereitschaft zur Mitarbeit sollte mit geduldiger Ausbildung entwickelt werden.

Zieht ein Pferd wiederholt am Führstrick oder wird bei der Pflege unruhig, lohnt sich fachkundige Unterstützung. Dabei sollten die Situation, sein bisheriges Lernen und mögliche Beschwerden angesehen werden. Übungen lassen sich oft vereinfachen und in kleinere Schritte teilen. Eine passende Belohnung unterstützt das gewünschte Verhalten, ohne dass mit Kraft gegen Kraft gearbeitet werden muss.

Fahren lernen braucht Erfahrung auf beiden Seiten

Vor einer Kutsche müssen Pferd und Mensch eine Reihe von Abläufen sicher beherrschen. Das Pferd soll Geschirr, Zugbewegung, Anhalten und die Einwirkung der Leinen kennenlernen. Leinen sind die langen Verbindungen vom Fahrer zum Pferd, mit denen Signale gegeben werden. Die Vorbereitung und das erste Anspannen sollten durch eine erfahrene Fachperson begleitet werden.

Auch Geschirr, Wagen und Fahrstrecke müssen zum Pferd und zum Ausbildungsstand passen. Beim Reiten gelten ebenfalls seine eigenen Erfahrungen, Fitness und Ausrüstung als Maßstab. Ein kräftiger Körper kann fehlende Kondition oder einen unpassenden Sattel nicht ausgleichen. Neue Anforderungen sollten allmählich aufgebaut werden, damit das Pferd körperlich und im Lernen mithalten kann.

Die Haltung muss zu einem großen kräftigen Pferd passen

Liegeflächen, Türen und Wege sollten so gestaltet sein, dass das Pferd bequem wenden, sich hinlegen und wieder aufstehen kann. Bei Gruppenhaltung braucht es Platz, um Konflikten auszuweichen und ruhig an Futter und Wasser zu gelangen. Geeignete Pferdegesellschaft und tägliche freie Bewegung sind feste Bestandteile der Versorgung.

Bei der Stallbesichtigung solltest du auch nach der Betreuung im Winter, bei Krankheit und während eigener Abwesenheit fragen. Trockene Ruhebereiche, sichere Böden und verlässliche Fütterung sind ebenso wichtig wie ein schöner Reitplatz. Bei einem großen Pferd lohnt außerdem ein Blick auf die vorhandenen Transportmöglichkeiten und die Erreichbarkeit tierärztlicher Hilfe.

Kraftfutter sollte einen tatsächlichen Bedarf decken

Heu und Gras bilden die Fütterungsgrundlage. Kraftfutter sind energiereiche Ergänzungen wie Getreide oder entsprechende Futtermischungen. Ob sie gebraucht werden, hängt von Arbeit, Körperzustand und Futterqualität ab. Ein Pferd im regelmäßigen schweren Zug hat einen anderen Bedarf als eines, das überwiegend auf der Weide steht und gelegentlich ausgeritten wird. Die Ration sollte deshalb am Alltag ausgerichtet werden.

Kaltbluttypen können unter reichhaltiger Fütterung leicht zu viel Körperfett ansetzen. Regelmäßiges Wiegen oder eine Verlaufskontrolle mit dem Gewichtsmaßband sollte durch Abtasten ergänzt werden. Dabei werden unter anderem Rippen, Hals und Hinterhand beurteilt. So fällt eine Veränderung eher auf, bevor sie unter der kräftigen Muskulatur und dem Fell übersehen wird. Bei Übergewicht sollte die Fütterung fachkundig angepasst werden.

PSSM1 verständlich einordnen

PSSM1 ist eine erblich bedingte Muskelerkrankung, die auch beim Süddeutschen Kaltblut vorkommen kann. Die Abkürzung steht für Polysaccharidspeichermyopathie Typ 1. Dabei wird Glykogen, eine Speicherform von Zucker, in veränderter Form und übermäßig in den Muskelzellen angesammelt. Betroffene Pferde können Muskelsteifheit, Schmerzen, starkes Schwitzen oder eine deutliche Unlust zur Bewegung zeigen. Die Beschwerden können unterschiedlich ausgeprägt sein.

Ein Gentest kann die bekannte PSSM1 Variante nachweisen. Vor dem Kauf sollten vorhandene Ergebnisse und die gesundheitliche Vorgeschichte mit einer Tierarztpraxis besprochen werden. Ein negativer Befund schließt andere Ursachen für Muskelprobleme nicht aus. Zeigt das Pferd Beschwerden, sollte es tierärztlich untersucht werden. Bei bestätigter PSSM1 müssen Fütterung und Bewegung individuell geplant werden.

Hufe und Gesundheitsunterlagen im Alltag pflegen

Die tägliche Versorgung sollte auch einen Blick auf Hufe, Beine, Haut und das Bewegungsverhalten einschließen. Regelmäßiges Auskratzen hilft, Fremdkörper und Veränderungen an den Hufen zu erkennen. Welche Hufbearbeitung oder welcher Beschlag gebraucht wird, sollte eine qualifizierte Fachperson anhand des Pferdes und seiner Arbeit beurteilen. Saubere trockene Standflächen unterstützen die Hufgesundheit.

Vor dem Einzug sollten Gesundheitsunterlagen, Zahnbehandlungen und die weitere Vorsorge besprochen werden. Eine unabhängige Kaufuntersuchung hilft, den gesundheitlichen Zustand für den geplanten Einsatz einzuschätzen. Unser Ratgeber zum ersten Pferd unterstützt bei der Vorbereitung. Mit dem Kostenplaner lassen sich Stall, Hufpflege, Ausbildung und Rücklagen für Behandlungen übersichtlich sammeln.

Häufige Fragen

Kann man ein Süddeutsches Kaltblut reiten?

Ein entsprechend ausgebildetes und körperlich geeignetes Pferd kann geritten werden. Das Zuchtziel umfasst auch diese Eignung, obwohl Fahren und Ziehen zentrale Aufgaben sind. Bei der Auswahl sollten Ausbildung, Fitness, Sattelpassform und die Anforderungen des Reiters gemeinsam beurteilt werden.

Ist jedes Süddeutsche Kaltblut besonders ruhig?

Die Zucht strebt ein ausgeglichenes, umgängliches Wesen an. Wie ein einzelnes Pferd reagiert, hängt auch von Erfahrungen, Ausbildung, Gesundheit und der jeweiligen Situation ab. Bei mehreren Besuchen lassen sich seine gewohnten Abläufe und Reaktionen besser kennenlernen.

Was bedeutet ein positiver PSSM1 Test?

Der Test weist die bekannte erbliche Variante nach. Wie stark Beschwerden auftreten, kann unterschiedlich sein. Der Befund sollte mit einer Tierarztpraxis eingeordnet werden, die einen passenden Fütterungsplan und Bewegungsablauf empfiehlt. Eigenständige Änderungen nach allgemeinen Diättipps sind bei einem betroffenen Pferd ungeeignet.

Quellen und Bildnachweis

Bildnachweise

Foto: Süddeutsches Kaltblut 3.jpg · Sciencia58 · CC BY-SA 4.0. Bildformat angepasst.

Foto: Süddeutsches Kaltblut 1.jpg · Sciencia58 · CC BY-SA 4.0. Bildformat angepasst.

Foto: Süddeutsches Kaltblut - dunkelbraun.jpg · Sciencia58 · CC BY-SA 4.0. Bildformat angepasst.

Foto: A sleeping horse 1.JPG · Sciencia58 · CC BY-SA 4.0. Bildformat angepasst.

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