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Pferde · RASSEPORTRÄT

Oldenburger: Dressurpferde, Zuchtbücher und der Alltag im Stall

Der Oldenburger begegnet vielen Pferdefreunden zuerst im Dressursport. Die dort gezeigten Bewegungen werden über lange Zeit erarbeitet. Für die Auswahl eines eigenen Pferds lohnt sich der Blick auf seine bisherige Ausbildung.

Zum Namen Oldenburg gehören heute zwei getrennte Zuchtprogramme. Das Oldenburger Pferd, kurz OL, wird überwiegend für die Dressur gezüchtet. Beim Internationalen Oldenburger Springpferd, kurz OS, steht das Springen im Mittelpunkt. Dieses Porträt behandelt vor allem das OL und erklärt, welche Unterschiede beim Lesen der Papiere wichtig sind.

Die braune Oldenburgerstute Bess steht neben einem Zaun.
Zuchtbuch
OL und OS führen getrennte Zuchtprogramme mit unterschiedlichen sportlichen Schwerpunkten.
Größe
Das OL-Programm nennt etwa 160 bis 170 cm bei dreijährigen Pferden als Zuchtziel.
Alltag
Ein passender Ausbildungsstand und gute Haltungsbedingungen sind für das einzelne Pferd entscheidend.

Was OL und OS bedeuten

Das Oldenburger Pferd gehört zu den deutschen Warmblutrassen. Warmblut bezeichnet hier einen Zuchttyp von Reitpferden. Der Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes führt das OL-Zuchtbuch, also das Register für Abstammung und Zuchteintragungen. Die heutige Zucht hat einen deutlichen Schwerpunkt in der Dressur, beschreibt aber ein für verschiedene Reitaufgaben geeignetes Sportpferd.

Das Internationale Oldenburger Springpferd hat ein eigenes Zuchtbuch unter dem Springpferdezuchtverband Oldenburg-International. Bei einem angebotenen Pferd sollte die tatsächliche Eintragung in den Unterlagen angesehen werden. Beide Programme lassen unter bestimmten Bedingungen andere Pferdepopulationen zur Zucht zu, sodass verschiedene Abstammungen zum heutigen Bild beitragen.

Ein großrahmiges Reitpferd mit unterschiedlichen Erscheinungsbildern

Das OL-Zuchtziel beschreibt ein elegantes, harmonisch gebautes Sportpferd. Gewünscht sind ein gut angesetzter Hals, ein kräftiger Rücken und eine Hinterhand, die Bewegungen gut unterstützen kann. Alle Fellfarben sind zugelassen. An der Farbe allein lässt sich deshalb kein Oldenburger erkennen.

Für dreijährige Pferde nennt das Programm etwa 160 bis 170 cm am Widerrist als Ziel. Der Widerrist ist die erhöhte Stelle zwischen Hals und Rücken, an der ein Pferd gemessen wird. Beim Kauf eines älteren Pferds sollte die tatsächliche Größe festgestellt werden. Auch Körperbau, Beweglichkeit und die passende Größe von Stall, Transport und Ausrüstung sollten gemeinsam betrachtet werden.

Schritt, Trab und Galopp sind die drei grundlegenden Gangarten. Die Zucht möchte Pferde mit ausbalancierten, raumgreifenden Bewegungen. Für einen Reiter kann es beim Probereiten zunächst ungewohnt sein, auf einem Pferd mit großen Bewegungen zu sitzen. Eine begleitende Lehrperson hilft, das Zusammenspiel und die Anforderungen an den eigenen Sitz einzuschätzen.

Ausbildung sollte für Pferd und Mensch nachvollziehbar sein

Ein Dressurpferd lernt über viele kleine Aufgaben, auf die Signale seines Reiters zu reagieren. Am Anfang können Übergänge zwischen Schritt und Halt oder große Wendungen stehen. Die Aufgabe sollte für das Pferd verständlich sein. Eine passende Belohnung unmittelbar nach der gewünschten Reaktion unterstützt das Lernen.

Je anspruchsvoller die Arbeit wird, desto wichtiger sind Zeit zum Aufbau von Kraft und Balance sowie fachkundige Begleitung. Ein junges Pferd sollte schrittweise an Ausrüstung, Reitergewicht und neue Aufgaben gewöhnt werden. Zeigt es Abwehr oder Unruhe, sollten Verständnis, Belastung und mögliche Schmerzen geprüft werden, bevor die Anforderungen steigen.

Bei der Besichtigung sollten Arbeit auf dem Platz, geplante Ausritte und der Umgang beim Satteln gezeigt werden. Eine erfahrene Begleitung hilft, Pferd und eigene Fähigkeiten einzuschätzen. Wer wenig Reiterfahrung hat, sollte gezielt nach einem Pferd fragen, das den Umgang mit unerfahrenen Reitern bereits kennt.

Ein Stall, der zum Tagesablauf des Pferds passt

Die Haltung sollte tägliche freie Bewegung, Kontakt zu passenden Pferden und ausreichend Ruhe ermöglichen. Bei der Stallwahl sollte konkret nachgesehen werden, wann das Pferd nach draußen kommt und welche Flächen dafür verfügbar sind. Ein Reitplatz ist für die Ausbildung nützlich, die freie Zeit mit Artgenossen braucht trotzdem einen eigenen Platz im Tagesablauf.

Futterstellen und Tränken sollten in einer Gruppe so angeordnet sein, dass alle Pferde sie erreichen können. Ein gut belüfteter, trockener Ruhebereich und sichere Böden gehören zur Planung. In einer Box braucht ein großes Pferd genügend Platz, um sich abzulegen und wieder aufzustehen.

Wenn mehrere Menschen reiten oder versorgen, sollten Aufgaben und Änderungen gemeinsam abgesprochen werden. Ein zusätzlicher Trainingstag, ein neues Futter oder ein vereinbarter Ruhetag sollte allen Beteiligten bekannt sein. Für Krankheit, Urlaub oder Arbeitsstress braucht es außerdem eine verlässliche Vertretung.

Futter und Körperzustand gemeinsam beurteilen

Heu und geeignetes Weidegras sollten die Grundlage der Fütterung bilden. Sie liefern Fasern und ermöglichen langes Kauen. Frisches Wasser sollte erreichbar sein. Zusätzliche Energie sollte zum Arbeitsumfang und Zustand des Pferds passen.

Ein großrahmiges Pferd kann Fettpolster entwickeln und gleichzeitig an bestimmten Stellen wenig Muskulatur haben. Hals, Rippen und Hinterhand sollten deshalb angesehen und vorsichtig abgetastet werden. Die Körperform insgesamt ersetzt diese Beurteilung nicht. Bei Veränderungen kann eine fachkundige Fütterungsberatung helfen, die Ration anzupassen.

Futterwechsel sollten allmählich erfolgen. Lange Pausen ohne geeignetes Futter sollten bei der Stallplanung vermieden werden. Wenn ein Pferd Mahlzeiten stehen lässt oder schlechter kaut, sollte zunächst nach dem Grund gesucht werden. Besonders bei älteren Pferden können Zahnprobleme die Auswahl und Aufbereitung des Futters verändern.

Was ein WFFS-Befund aussagt

Das OL-Programm dokumentiert bei bestimmten Hengsteintragungen den WFFS-Status. WFFS ist die ältere Abkürzung für das auch FFS genannte Fragile Foal Syndrome, eine tödliche erbliche Erkrankung des Bindegewebes bei Fohlen. Betroffene Fohlen erben die Genvariante von beiden Eltern und besitzen zwei Kopien. Ein Pferd mit einer Kopie erkrankt nicht daran, kann die Variante aber vererben.

Für eine geplante Verpaarung sollten deshalb die Gentestergebnisse beider Eltern fachkundig besprochen werden. Der Trägerstatus allein schließt einen Hengst nach dem OL-Programm nicht von der Eintragung aus. Für ein erwachsenes Reitpferd sollten zusätzlich die für seinen Alltag wichtigen Gesundheitsfragen untersucht werden, etwa Bewegungen, Hufe, Zähne und die bisherige Belastung.

Vor der Übernahme ist eine tierärztliche Kaufuntersuchung sinnvoll. Später sollten Veränderungen beim Fressen, Verhalten oder Bewegen früh besprochen werden. Ein gemeinsamer Vorsorgeplan kann Zahnkontrollen, Impfungen, Parasitenkontrolle und passende Hufpflege verbinden. Auch der Sattel sollte erneut geprüft werden, wenn sich der Körper durch Wachstum oder Arbeit verändert.

Häufige Fragen

Ist OL dasselbe wie OS?

Nein. Das Oldenburger Pferd und das Internationale Oldenburger Springpferd haben getrennte Zuchtbücher. OL wird überwiegend für Dressur, OS vor allem für Springen gezüchtet. Die tatsächliche Eintragung sollte aus den Unterlagen hervorgehen.

Ist ein WFFS-Träger als Reitpferd krank?

Ein Pferd mit einer Kopie dieser Genvariante ist nicht an FFS erkrankt. Für eine Verpaarung ist der Status trotzdem wichtig, weil es die Variante weitergeben kann. Die allgemeine Gesundheit des Reitpferds sollte unabhängig davon untersucht werden.

Quellen und Bildnachweis

Bildnachweise

Foto: Bess2.jpg · Martin Bahmann · CC BY-SA 3.0. Bildformat angepasst.

Foto: Anabel Balkenhol mit Rubins Royal, CDI Hamburg 2011.JPG · Foto: Steinfurth / Lizenz: CC BY-SA 3.0 · CC BY-SA 3.0. Bildformat angepasst.

Foto: Mücke & Mike 03.10.2022.jpg · Mikematics · CC BY-SA 4.0. Bildformat angepasst.

Foto: NooraForstenQuinaultHelsinki.jpg · Caygill · CC BY-SA 3.0. Bildformat angepasst.

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